Projekt Kander.2050 – «läbigs Kanderwasser»

«Lasst uns am Alten so es gut ist halten.
Doch Neues schaffen zu jeder Stund.»

Gottfried Keller (1819 - 1890)


An der Kander mit ihrem Wildbachcharakter und dem hohen Geschiebetrieb war bereits in früheren Jahrhunderten der Hochwasserschutz ein wichtiges Anliegen. Mit dem Kanderdurchstich von 1714 durch den Strättlighügel in den Thunersee und den ab 1899 folgenden Korrektionsprojekten auf ein klar normiertes Trapezprofil mit über 40 sohlenstabilisierenden Querbauwerken konnte die Hochwassergefahr im Kandertal erfolgreich gebannt und unter anderem eine sichere Bahnverbindung auf der Lötschberglinie ermöglicht werden. Als Folge ging der ursprüngliche Flusslebensraum mit seinen begleitenden Auen verloren oder wurde stark beeinträchtigt, die Fischwanderung wurde unterbrochen und die Seeforelle des Thunersees wurde zur bedrohten Art. Eine andere Folge dieser Einengungen ist die Eintiefung des Flusses, welche zunehmend die bestehenden Schutzbauten gefährdet.

Die Häufung von intensiven Hochwasserereignissen in der Neuzeit brachte das System Kander von 1900 zudem an die Grenzen der hydraulischen Kapazität und seiner Belastbarkeit. Die Anforderungen der heute geltenden Wasserbau-, Naturschutz-, Gewässerschutz- und Fischereigesetzgebung (externe Links) werden nicht erfüllt. Gleichzeitig sind die Bedürfnisse der Bevölkerung an die Naherholungsräume in Flussnähe stark gestiegen.

Damit das System Kander im Sinne einer langfristig tragfähigen Lösung gemeindeübergreifend in seiner Gesamtheit überprüft und nach Bedarf optimiert werden kann, wurde im Jahre 2005 ein Prozess zur Entwicklung einer entsprechenden Gesamtschau initiiert: Das Projekt Kander.2050.

Im Einverständnis mit den zuständigen Wasserbauträgern und politischen Vertretern des Kandertals wurde im Auftrag der Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer unter Einbezug der Bevölkerung ein Gewässerentwicklungskonzept Kander (GEKa) erarbeitet und 2009 abgeschlossen. Das GEKa zeigt die verschiedenen Defizite der Kander auf, fasst Bedürfnisse zusammen und führt mögliche Massnahmen auf.

Ab 2010 wurde basierend auf dem Gewässerentwicklungskonzept Kander und unter Miteinbezug aller Beteiligten ein behördenverbindlicher Gewässerrichtplan Kander (GRKa) erarbeitet. Der Gewässerrichtplan Kander enthält die zum Hochwasserschutz, zur Sohlenstabilisierung, zum Gewässerunterhalt und zur Ökologie wasserbaulich relevanten Massnahmen.

Der Gewässerrichtplan Kander wurde am 30. Oktober 2013 durch den Regierungsrat des Kantons Bern verabschiedet und in Kraft gesetzt. 2014 wurde zur Begleitung und Koordination des Massnahmenvollzuges die Kander-Kommission konstituiert.